Kurz nach unserer Reise nach Paris unternahm die Aktivitas erneut einen Ausflug, diesmal einen kürzeren, nach Frankreich. Zur Vorbereitung organisierten wir einen landsmannschaftlichen Abend zum Thema Elsass mit Riesling, Pinot Noir und Flammkuchen. Wie schon bei uns vor unserem Ausflug ist auch hier ein kleiner historischer Rückblick angebracht.
Ein bisschen Geschichte...
Straßburg ist, wie viele wissen, eine Stadt, die oft zwischen Deutschland und Frankreich hin- und hergerissen wurde. Seit dem Karolingerreich bis zum Heiligen Römischen Reich blieb die Stadt deutsch, wurde dann aber von Ludwig XIV. für das Königreich Frankreich zurückerobert. Als Bismarck sie bei der Gründung des Deutschen Reiches 1871 durch die Annexion des Elsass und Lothringens zurückeroberte, fiel es den Straßburgern, wie auch den übrigen Elsässern und Lothringern, schwer, sich zu integrieren, da sie viel zu sehr an Frankreich und dessen revolutionäreren, republikanischeren und freiheitsliebenden Ideen hingen. Als Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg Elsass und Lothringen zurückeroberte, herrschte in den beiden wiederangegliederten Regionen zunächst Erleichterung. Diese erlebten jedoch schnell die Enttäuschung, da sie die Religionsfreiheit schätzten, die Deutschland ihnen gewährt hatte. Da in Frankreich seit 1905 die Trennung von Kirche und Staat galt, wollten das Elsass und Lothringen dies in ihren Gebieten nicht zulassen und kämpften dagegen an. 1940 wurde Straßburg (wie auch das Elsass und Lothringen) vom NS-Deutschland eingenommen, und die Elsässer und Lothringer, die nicht fliehen konnten oder wollten, wurden gezwungen, für die NS-Armee zu kämpfen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten die beiden Regionen zu Frankreich zurück, wo sie seitdem geblieben sind.
’s Elsässische als Sproch
Im Laufe dieser langen gemeinsamen Geschichte hat sich die elsässische Sprache erhalten, obwohl ihre Existenz lange Zeit bedroht war — heute mehr als je zuvor. Seit der Französischen Revolution hat der französische Staat stets versucht, die von seinen Bürgern gesprochenen Dialekte verschwinden zu lassen. Das Elsässische hat sich jedoch recht gut behauptet, doch das Französische begann, in der Region an Boden zu gewinnen. Bei der Annektierung durch das Deutsche Reich im Jahr 1871 war es verboten, Französisch zu sprechen. Es wurde durch Deutsch als Amtssprache ersetzt. Das Elsässische, ein alemannischer Dialekt, wurde weiterhin toleriert. Als Frankreich das Elsass und Lothringen zurückeroberte, war es verboten, Elsässisch zu sprechen, da diese Sprache als zu germanisch galt: Man musste Französisch sprechen. Als die Region vom NS-Regime erobert wurde, waren sowohl Französisch als auch Elsässisch verboten; es wurde nur noch Deutsch gesprochen. Als das Elsass schließlich wieder französisch wurde, wurde das Verbot aufgehoben. Seitdem ist die elsässische Sprache jedoch am stärksten im Verschwinden begriffen, da die Zahl der Sprecher heute stark abnimmt.
Die Fahrt der Aktivitas
Diese Reise nach Straßburg ermöglichte es uns somit, eine der germanischsten Städte Frankreichs zu entdecken. Überall sieht man den Einfluss unserer beiden Länder, sei es in der Architektur, der Sprache oder der Mentalität der Menschen. Wir konnten die Altstadt von Straßburg mit ihrer Kathedrale besichtigen, die an die von Freiburg erinnert (was relativ normal ist, denn beide wurden aus demselben Stein aus den Vogesen erbaut und vom selben Architekten, Erwin von Steinbach, entworfen). Von den nach dem Krieg in den Mauern steckengebliebenen Granaten bis hin zu den Einschusslöchern in einigen Gebäuden erinnert uns der Stadtrundgang an die schmerzvolle Vergangenheit der Stadt, die zwischen den Fronten beider Länder gefangen war. Das friedliche Kriegsdenkmal in der Mitte des Place de la République (auf Elsässisch heißt er lustigerweise Kaiserplatz) ist in Frankreich relativ außergewöhnlich, wo solche Denkmäler in der Regel eher patriotisch und kriegerisch geprägt sind. Das Restaurant mit Flammkuchen-Buffet hat viele von uns begeistert und uns neue Kraft für den Rest des Tages gegeben. Anschließend sind wir durch das Europa-Viertel spazieren gegangen, das durch die zahlreichen europäischen Institutionen geprägt ist, die seit knapp einem Jahrhundert den Aufschwung dieser Stadt kennzeichnen. Am Ende des Tages konnten wir uns im Jardin de l’Orangerie entspannen und diesen kleinen Ausflug stilvoll ausklingen lassen.
