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Aktivenfahrt nach Paris!

von Kenzo

Vom 6. bis 10. Juni 2025 unternahm die Aktivitas des VDSt Freiburg eine anspruchsvolle Kulturreise nach Paris. Da das Semesterthema die Beziehungen Deutschlands zu seinen Nachbarländern ist, haben wir die Gelegenheit genutzt, um eine zu diesem Thema passende Aktivenfahrt zu organisieren. Und welche Stadt wäre dafür besser geeignet als Paris? Denn unter den vielen europäischen Hauptstädten ist sie zweifellos diejenige, die die Geschichte Deutschlands am stärksten geprägt hat. 

Gemeinsam mit unseren Bundesbrüdern des VDSt München, die uns auf dieser Fahrt begleiteten, konnten wir alte Freundschaften vertiefen und neue knüpfen. Diese Begegnungen und der gemeinsame Austausch verliehen der Reise eine besondere Verbundenheit… Ganz im Sinne des Élysée‑Vertrags von 1963, der von Charles de Gaulle und Konrad Adenauer unterzeichnet wurde, um die deutsch‑französische Zusammenarbeit dauerhaft zu festigen. 

Unsere Fahrt bot uns die Gelegenheit, die historischen, politischen und kulturellen Verflechtungen beider Länder, die über ein Jahrtausend zurückreichen, aus nächster Nähe zu erleben. Eine solche Geschichte lässt sich weder in fünf Tagen noch in einem einzigen Artikel vollständig erfassen… doch wir haben versucht, ihr so nahe wie möglich zu kommen.

Eine gemeinsame Geschichte

Im Laufe der Reise besuchten wir zahlreiche Orte, an denen europäische Geschichte geschrieben wurde. Der Panthéon, der Friedhof Père‑Lachaise, der Arc de Triomphe, der Eiffelturm, das Shoah-Mahnmal sowie mehrere historische Viertel führten uns durch die großen Wendepunkte der deutsch‑französischen Beziehungen: vom Zerfall des Karolingerreichs über den Einfluss der französischen Rittererzählungen im Mittelalter, die höfischen Kultur des Königs von Frankreich, der Literatur, der Philosophie der Aufklärung, die französischen Revolutionen des 19. Jahrhunderts und ihre Wirkung auf die deutschen Freiheitsbewegungen bis hin zu den Konflikten der Neuzeit – dem Dreißigjährigen Krieg, dem napoleonischen Reich, dem Deutsch‑Französischen Krieg, den beiden Weltkriegen und schließlich zur Nachkriegsversöhnung. All diese Ereignisse haben Spuren hinterlassen, die unsere beiden Länder bis heute verbinden. Jede Station unserer Reise eröffnete neue Perspektiven auf Spannungen, gegenseitige Einflüsse und die allmähliche Annäherung zweier Nationen, die lange als „Erbfeinde“ galten.

Sehr wichtige Museen

Ein weiterer Schwerpunkt unseres Programms war die drei großen Museen von Paris: der Louvre, das Musée d’Orsay und das Musée de l’Armée. Der Louvre, reich an Geschichte, ermöglichte es uns, die Geschichte der Menschheit, Europas und insbesondere unserer gemeinsamen Geschichte nachzuzeichnen. Er bot uns die Gelegenheit, uns mit der Frage des Kulturtransfers auseinanderzusetzen, insbesondere anhand der ausgestellten deutschen Werke und der unter Napoleon erweiterten Sammlungen, aber auch im Hinblick auf die Kunstdiebstähle durch die Nationalsozialisten während des Krieges. Das Musée d’Orsay veranschaulichte den künstlerischen Austausch zwischen dem französischen Impressionismus und der deutschen Malerei. Das Musée de l’Armée ermöglichte es uns, Konflikte, militärische Erinnerungen und politische Entwicklungen zu beleuchten, die unsere beiden Nationen geprägt haben. So konnten wir die Geschichte aus einer anderen Perspektive betrachten : Aus der Perspektive dessen, der der „Erbfeind“ war und uns ebenfalls als solchen sah. Geschichte lässt sich nur dann wirklich verstehen, wenn man ihre verschiedenen Blickwinkel betrachtet.

Das Château de Versailles und seine Symbolik

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Apropos Perspektive: Ein besonders prägender Moment dieses Ausflugs war der Tag in Versailles, einem Ort, an dem sich monarchische Pracht, nationale Rivalitäten und moderne Diplomatie kreuzen.

Dieses Schloss hat auf der einen oder anderen Seite des Rheins nicht dieselbe Symbolik. Die Franzosen sehen darin vor allem ein Symbol für die Größe, Schönheit und Anmut Frankreichs und denken erst in zweiter Linie an die Unterzeichnung des Versailler Vertrags von 1919, der auf den Sieg im Ersten Weltkrieg folgte. Wenn dieser Vertrag hier unterzeichnet wurde, dann vor allem, um eine bittere Niederlage Frankreichs zu tilgen: die Ausrufung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 in eben diesem Spiegelsaal. Vor allem wegen dieses Sieges, der erstmals zur Vereinigung der deutschen Völker in einem einzigen Reich führte, denkt man in Deutschland an Versailles.

Dieser Besuch gab Anlass zu zahlreichen Diskussionen innerhalb der Aktivitas und bestätigte, dass Geschichte niemals eindeutig ist, sondern immer eine Frage der Perspektive und ein Anlass zum Nachdenken.

Merci!

Diese Kulturfahrt nach Paris zeugt von der Lebendigkeit unserer Aktivitas, ihrer Fähigkeit, anspruchsvolle Projekte zu organisieren, und ihrem Willen, den akademischen Geist zu pflegen, der die Stärke des VDSt Freiburg ausmacht. Sie zeigt auch, dass unser Bund nach wie vor ein Ort ist, an dem Tradition, intellektuelle Neugier und europäische Offenheit auf natürliche Weise zusammenkommen.

Im Namen der Aktivitas danken wir herzlich unseren Alten Herren des VDSt Freiburg für ihre kontinuierliche Unterstützung, ohne die solche Unternehmungen nicht möglich wären. Unser Dank gilt ebenso dem Verband, der einen Teil der Reise finanziell gefördert hat. 

Durch dieses Engagement – und durch den Einsatz aller Beteiligten – wurde diese Aktivenfahrt zu einem der Höhepunkte unseres Semesters und zu einer der schönsten Reisen, die wir bislang organisieren durften.

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